Das neue Jahr ist einen Monat und drei Tage alt, geändert hat sich trotzdem nichts. Kein Schnee, dafür breitet sich der Schaum aus. Aber auch da läuft alles verkehrt: Statt aus Milch ist der Schaum aus Kaffe. Und wenn man Kaffeeschaum mit Kaffee beflecken will, dann ist das etwa das gleiche, wie wenn mein Nachbar nach tagelangem Regen den Rasen sprinkelt, einfach nur weil er das jeden Samstag tut. Es bleibt also kaum etwas anderes zu tun als zuzusehen, denn wenn man in den Kaffeeschaum noch zusätzlich Kaffee schüttet, es bleibt ja doch beim schwarzen Kaffee. Wer jetzt denkt, es hat ja nicht auf jedem Kaffee einen Schaum - sogar im Zug hat es auf dem Espresso jetzt ein Schäumchen. Dafür der kostet er jetzt noch mehr. Auch der Nespresso bleibt teuer - 1kg für 95 Franken, in weisnichtwieviel Alukapseln verpackt. Aber auch hier - mit Schaum obenauf. Auf der eigenen Website rühmt sich Nespresso, wie dicht ihre Crema sei - erst nach 10 Sekunden würde aufgestreute Zucker darin versinken. Jemand nannte das Jahr, das jetzt schon einen Monat alt ist, “das Jahr der grossen Scheissehaufen”. Das stimmt vielleicht auch, aber 2007 wird vor allem das Jahr der grossen Schaumschlägerei. Und der Schaum wird dick werden, im Lauf des Jahres. In diesem Januar wurde schon zweimal die Welt gerettet, einmal in Davos und einmal in Nairobi. Beim WEF hat man ein wenig vom Klima geredet - man ist ja schon in insgesamt 200 Privatjets hergekommen. Beim Weltsozialforum hat man natürlich auch noch von der sozialen Gerechtigkeit geredet. An beiden Orten hatte man wahrscheinlich viele gute Ideen. Aber das ist so wie mit dem weissen und dem braunen Zucker. Man streitet darüber, welcher der bessere sei - bis der Kaffee kalt ist. Und dann nützt es auch nichts mehr, wenn man hektisch weissen und braunen Zucker nachschüttet, der löst sich nicht mehr auf. Der Kaffee ist kalt, die Welt ist nicht gerettet.
Im September wird das Parlament gewählt, aber eigentlich nur um dann den Bundesrat zu wählen. Die SVP ist für Blocher, die SP gegen Blocher, die CVP für Leuthard, und die FDP weiss noch nicht so recht, wahrscheinlich aber auch für oder gegen Blocher. Bei alldem wird viel Schaum fliessen, Schaum in Form Reden. Alle Politiker wollen die Welt retten, die SVP immerhin die ganze Schweiz - aber nicht alle Schweizer, die sind ja zum Teil links oder Ausländer, oder am schlimmsten, in der Schnittmenge.
In Japan hingegen hat man aber jetzt schon Japan gerettet, oder immerhin das Japan der nächsten Generation. Diese Generation, die jetzt gerade in der Schule sitzt, durch ihre Disziplinlosigkeit auffällt und jetzt zum Glück ja mit “leichten Schlägen auf den Kopf” gezüchtigt werden darf.
Die einen fliegen hin und reden, die andern reden dort (fängt mit B an und hört mit undeshaus auf), wo sie schon immer waren, nochmals andere schlagen um sich - und alle wollen damit die Welt retten.
Die Welt, das sind wir, und wir werden in diesem Jahr noch einige Male gerettet werden.
3. Februar 2007...8:24 Uhr nachmittags
Der Schaum der Weltrettung.
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