9. September 2007...10:39 Uhr vormittags
Flotter Vierer: Fiebertraum.
Als ich heute morgen fieberträumend im Bett lag, träumte ich vieles. Unter anderem auch, in einem Zug zu sitzen. Es war nicht besonders lustig. Zugfahren fand ich sowieso noch nie besonders witzig. Nicht dass es mich irgendwie anscheissen würde. Zugfahren ist spass- und klimaneutral, eine von mehreren Arten, von A nach B zu gelangen. Dazu kommen für mich sowieso nur gehen (bwz. laufen, wenn der Zug zu bald abfährt), Velofahren (alles andere als spassneutral, meine Freude sinkt mit der Steigung), das Taxi (das aber eigentlich gar nicht infrage kommt, da zu teuer) und dann eben der öffentliche Verkehr (der manchmal öffentlicher ist, als mir lieb ist, aber dazu später). Sie stellen fest, dass sich in dieser Liste keine verbrennungsmotorisierten Fahrzeuge befinden. Das, weil ich nie den Töffliausweis gemacht habe, und auch nicht die Rollerprüfung machen werde. Und weil ich autofrei aufgewachsen bin. Ich bin froh darüber. Sehr froh. Vor zehn Jahren als sich kein Schwein einen Dreck um C02 scherte, fuhren wir mit dem Zug in die Ferien. In zehn Jahren werden sich alle, die jetzt auch jung sind, mit grössten Gewissensbissen ein Auto kaufen, weil sie sich eben ein Leben ohne Auto nicht vorstellen können. Selber schuld. Ebenso bin ich froh, eine fernsehfreie Kindheit durchlebt zu haben. Fernsehen macht dumm, wissenschaftlich erwiesen und alles. Und ausserdem kann ich, wenn ich mal bei jemandem TV schaue, die Fernsehwerbung in ihrer wunderbaren Idiotie wirklich geniessen kann. Bei regelmässigen TV-Konsumenten löst ja schon die Erwähnung von Activia-Jogurt ernsthaften Brechreiz aus. Das ist effektive Werbung: man macht eine Werbung, die so schlecht ist, dass den Leuten dabei schlecht wird, und die Leute kaufen dann darmstabilisierendes Jogurt. Dass sie vielleicht nicht die eben brechreizende Sorte kaufen, ist offensichtlich nebensächlich.
Aber eigentlich wollte ich mich dazu äussern, dass der öffentliche Verkehr oftmals zu öffentlich ist. Mein Problem sind die Viererabteile. Ich habe keine Sozialphobie, bin nicht aussergewöhnlich asozial und/oder egoistisch und habe auch kein Problem damit, vis-à-vis von jemandem zu sitzen. Es ist auch nich so, dass ich mich eingeengt fühle, wenn jemand neben mir sitzt. Denn fühlen ist etwas psychisches, und psychisch fühle ich mich äusserst selten von Sitzgenossen in der Bahn eingeengt. Das Einengen ist in einigen Fällen mehr von physischer Natur. Manchmal bedrücken mich beim Zugfahren schwerwiegende Probleme. Es hat etwas mit der Breite des Sitzes zu tun. Und noch mit anderen Breiten.
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