Alle reden vom Klimaschutz. Alle tun was. Oder behaupten es jedenfalls. Für die einzige Welt, die wir haben. Ein oranger Grossverteiler macht einen auf grün, um sich von seinem ebenfalls orangen Konkurrenten abzuheben. Lanciert eine “Sondernumer zum Thema Nachhaltigkeit” seines Kundenmagazins. Für die einzige Welt, die wir haben. Verschiedene Autohersteller tragen auch zum Klimaschutz bei, indem sie umweltfreundlichere Autos herstellen, die sie dann umweltfreundlich nennen. So können die Leute dann mit Autofahren effektiven Klimaschutz betreiben – einfach toll und übrigens ziemlich widersinnig. Autofahren für die einzige Welt, die wir haben.
Viele Leute geben sich ja der Illuision hin, abnehmen zu können, indem sie einfach weniger essen, aber gleich wenig Sport betreiben wie vorher, nämlich gar keinen. Oftmals bewegen sie sich überhaupt nicht mehr, und das hängt mit zu einem grossen Teil auch mit dem Auto zusammen. Man könnte aber das Velo statt das Auto nehmen, und wenn das alle täten, würde auch niemand mehr überfahren werden.
Ein Mensch sollte sich so viel wie möglich möglich bewegen, und wenn er abnehmen will sollte er sich besonders gesund ernähren. Ein Auto kann nicht abnehmen, das ist allen klar. Aber die halbe Welt hat die irrsinnige Idee, man könne ein Auto gesund “ernähren”. Rapsdiesel. Benzin aus Rohrzucker (’Bioethanol’). Autotriebstoff aus Getreide. Irgendwie surreal. Aber warum soll ein Auto auch abnehmen, abnehmen ist sowieso ziemlich gestrig, heutzutage bäckt man keine halben Brötchen, man isst gar keine Brötchen mehr, man ist magersüchtig. Es liegt also auf der Hand, magersüchtige Autos sind die Zukunft. Man gibt den Autos gar keinen Triebstoff mehr und irgendwann klappen sie zusammen. Also nicht wortwörtlich, aber Sie wissen schon, was ich meine. Jedenfalls kollabieren sie. Für die einzige Welt, die wir haben.
Wobei, ich sollte wohl aufhören, dauernd diese Werbekampagne von Coop durch den Dreck zu ziehen. Sie ist nämlich gut. Und wenn Coop Klima und Umwelt (vor lauter Klima geht langsam die Umwelt vergessen) schützen will, ist das auch gut und toll und vorbildlich. Für die einzige Welt, die wir haben. Nur hat Coop leider die Konkurrenz verschlafen. Tchibo bietet ja schon seit Ewigkeiten “jede Woche eine neue Welt” an. Wozu noch für die einzige Welt, die wir haben, einkaufen und Auto fahren? Es gibt doch bei Tchibo jede Woche eine neue. Und wenn sie wie alle anderen Tchibo-Produkte in einer klimawandelnden chinesischen Fabrik hergestellt werden, wen kümmerts? Bisher kümmerts ja auch keinen der Tchibo-Kunden.
8. Oktober 2007...2:54 Uhr nachmittags
Einzige neue Welt, jede Woche neu.
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